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Hernien (Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche)

Auch wenn Hernien – so der korrekte lateinische Name – als Brüche bezeichnet werden: Mit einem Knochenbruch haben sie nichts gemeinsam. Unter Hernien versteht man vielmehr das Austreten von Eingeweiden aus der Bauchhöhle durch eine Lücke in en tragenden Bauchwandschichten. Solche Lücken können angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Abhängig davon, wo die Eingeweide nach außen treten, unterscheidet man unterschiedliche Formen von Hernien.

Rund drei von vier Hernien betreffen die Leiste. Sie werden daher als Leistenhernie oder Leistenbruch bezeichnet. Schon im alten Ägypten kam die Erkrankung vor, wie Ausgrabungen von Skeletten zeigen. Es wäre daher falsch, von einer Zivilisationskrankheit zu sprechen. Betroffen sind in der überwiegenden Anzahl der Fälle (80 bis 90 %) Männer. Begründet ist dies mit dem unterschiedlichen anatomischen Aufbau der männlichen und weiblichen Leistenregion. Zwischen den Bauchmuskeln und dem knöchernen Schambein liegt im Gebiet der Leiste eine muskelfreie Sehnenplatte, die wie ein Halteband gespannt ist. Beim Mann führen durch diese Platte die Blutgefäße, die den Hoden versorgen sowie der Samenstrang. Damit ist – anders als bei Frauen – die eigentlich dichte „Haltevorrichtung“ schon von Natur aus anfälliger für Lücken. Auffällig wird ein bestehender Leistenbruch oft erst dann, wenn er durch eine Ausstülpung oder Beule („Bruchsack“) sichtbar wird. Das kann beim Tragen, Husten oder Pressen auf der Toilette passieren. Solange sich der Beutelinhalt wieder zurückdrücken lässt, leben viele Menschen – meist aus Angst vor einer Operation – mit dieser Situation. Eine Hernie bildet sich jedoch niemals von selbst zurück, sondern wird im Gegenteil immer größer und führt zu zunehmenden Beschwerden. Lebensgefährlich kann es werden, wenn die in den Bruchsack gewanderte Darmschlinge dort abgeklemmt und vom Blutaustausch abgeschnitten ist. Dann drohen Einklemmungen von Organen, Absterben von Gewebe oder Bauchfellentzündung. Der operative Verschluss ist die einzige Möglichkeit, eine Hernie zu heilen.

Auch wenn der Leistenbruch die häufigste Form ist: Hernien sind nicht auf diese Region beschränkt. Auch Oberschenkel, Nabel oder anderen Stellen der Bauchwand können betroffen sein.

Hernien-Diagnostik

Die Diagnose einer größeren Hernie – also eines Leisten-, Nabel- oder Narbenbruchs – ist für den in diesem Bereich versierten Arzt keine Schwierigkeit. Sie lässt sich in der Regel allein durch eine körperliche Untersuchung nachweisen. Dazu wird der Patient Im Liegen oder Stehen gebeten, zu husten oder zu pressen, so dass die Bruchstelle gut zu sehen bzw. tastbar ist.

Vor allem bei kleineren Leistenhernien, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, wird in einigen Fällen eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Damit lässt sich durch den erfahrenen Untersucher praktisch jeder Bruch nachweisen. Die sog. Sonografie ist schmerz- und strahlungsfrei, unkompliziert und für den Patienten absolut unbelastend.

Weitergehende apparative Untersuchungen sind im Rahmen der Hernien-Diagnostik nicht notwendig. Sie machen nur dann Sinn, wenn es um differentialdiagnostisch wichtige Erkrankungen geht, die z. B. im Zusammenhang mit einer Leistenhernie ausgeschlossen werden müssen.

Hernien-Behandlung

Eine Hernie bildet sich niemals selbst zurück. Nur durch eine Operation können schwerwiegende bis lebensbedrohliche Folgen – z. B. durch Einklemmung von Organen – vermieden werden. Sog. Bruch-oder Spranzbänder, die aus Angst vor dem Eingriff auch heute noch vielfach genutzt (und leider unverständlicherweise auch immer noch beworben) werden, haben absolut keinen Nutzwert, sondern bergen im Gegenteil sogar ein hohes Schadenspotenzial, das die Situation nicht verbessert, sondern sogar noch deutlich verschlimmert.

Früher ging eine Leistenbruch-Operation mit einem 10 bis 15 cm langen Hautschnitt einher, mit dem die Leiste freigelegt wurde. Dabei wurde die äußere Bauchwand durchtrennt und später wieder vernäht. Für den Patienten waren damit ein mindestens einwöchiger stationärer Aufenthalt im Krankenhaus sowie eine mehrwöchige körperliche Schonung verbunden.

Hernien (Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche) 1Solche Techniken gehören längst der Vergangenheit an. Heute überwiegen schonende Operationsverfahren, die für den Patienten deutlich weniger belastend sind. Hierbei werden die Bruchlücken durch spezielle Kunststoffnetze spannungsfrei verschlossen und die Schwachstellen in der Bauchwand von innen verstärkt. In den allermeisten Fällen ist ein solcher Eingriff minimal-invasiv möglich, also mit sehr kleinen Schnitten und ohne großflächige Eröffnung des Bauchraums. Vorteil gegenüber der früheren Technik sind neben den nur sehr kleinen Narben vor allem geringere Schmerzen. Körperliche Aktivitäten können in aller Regel bereits zwei Tage später wieder aufgenommen werden. Nach ca. zwei Wochen ist meist auch wieder Sport oder körperlich schwere Arbeit möglich. Auch das erneute Auftreten von Brüchen (sog. Rezidiv) wird durch diese Technik verhindert.
Schematische Darstellung einer Nabelhernien-OP

Hernien (Leisten-, Nabel- und Narbenbrüche) 2Die Wahl des jeweiligen Operationsverfahrens wird immer individuell auf den jeweiligen Patienten abgestimmt. Ausschlaggebende Kriterien sind dabei Alter, Geschlecht, mögliche Vor-Operationen, Ausmaß der Hernie sowie allgemeiner Gesundheitszustand. Diese entscheiden auch darüber, ob die Operation ambulant erfolgen kann. Vielfach ist dies möglich, so dass der Patient bereits am Nachmittag wieder nach Hause gehen kann. Bei vorliegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sonstigen Risiken oder größeren Hernien bietet ein kurzer stationärer Aufenthalt häufig mehr Sicherheit. Die direkte Nähe und intensive Kooperation der Praxis Dr. Döppenschmitt mit einer Klink bietet hier entscheidende Vorteile – auch dann, wenn nach einer eigentlich ambulant geplanten Operation doch eine kurze stationäre Versorgung empfehlenswert erscheint.